
Frank Pinnow
Leiter Pflege Forensik und Abteilungsleiter Forensikstation
Psychisch kranke Männer und Frauen ohne hohen Sicherungsbedarf und mit Zuweisung durch Justizbehörden behandeln wir auf der geschlossen geführten forensischen Therapiestation so, dass krankheitsbedingte Verhaltensstörungen zurückgehen, sich Risiken vermindern und so Schritte zurück ins gesellschaftliche Leben möglich werden.
Können Sie Ihre alltäglichen Aufgaben in Beruf und Familie nicht mehr bewältigen? Sind Sie aus dem psychischen Gleichgewicht geraten und wissen weder ein noch aus? In der Klinik finden Sie eine intensive Behandlung, weg von Ihrem gewohnten Lebensumfeld, weg von allem. Bei ausgeprägten Krankheitssymptomen, belastendem sozialen Umfeld oder im Falle von Selbstgefährdung kann eine stationäre Behandlung mit Betreuung rund um die Uhr nötig und sinnvoll für Sie sein.
Es werden störungs- und deliktorientierte Behandlungen bei Diagnosen aller Art durchgeführt.
Wir behandeln erwachsene Personen, die aufgrund ihrer psychiatrischen Grunderkrankung eine Straftat begangen haben. Es werden vor allem Patientinnen und Patienten mit Massnahmen nach Art. 59 StGB, in Einzelfällen auch auf andere Behandlungs- und Vollzugssettings vorbereitende Behandlungen im Rahmen des Art. 59, Art. 60, Art. 63. Abs. 3 oder Art. 61 StGB durchgeführt. Zudem führen wir Kriseninterventionen bei Personen durch, die in Haft schwer psychisch erkranken.
Die Station wird geschlossen und fluchthemmend geführt. Hochgefährliche oder stark fluchtgefährdete Personen können nicht aufgenommen werden.
Unsere Station hält spezialisierte Behandlungsprogramme für Patientinnen und Patienten mit besonders schwieriger Entwicklung vor, die straffällig geworden sind.
Nach dem Frühstuck startet das Programm mit der Morgenrunde, in der sich allfällige Probleme oder Anliegen rasch klären und besprechen lassen. Danach finden – je nach Lockerungsstufe – Therapien im Gebäude der Station (Ergotherapie im Haus) oder auf dem Klinikareal (Ateliers der PSG oder Heimstätten Wil) statt. Gemeinsame Mahlzeiten und Gruppenspaziergang bei ausreichendem Ausgangsstatus, sind Teil eines gemeinsamen Alltags, also Bestandteil der Milieutherapie.
In unserem Fachbereich arbeiten Fachkräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen im «multiprofessionellen Team» eng zusammen. Um den Patientinnen und Patienten die notwendigen medizinischen, therapeutischen, pädagogischen sowie sozialen und lebenspraktischen Hilfen zu geben, beschäftigen wir auf der forensischen Therapiestation:
Das Team beurteilt regelmässig gemeinsam den individuellen Behandlungsstand, trifft Risikobewertungen, plant die weitere Therapie und stimmt die Behandlung aufeinander ab.
Das Behandlungsteam wird von zahlreichen weiteren Therapeutinnen und Therapeuten unterstützt. Insofern profitieren die Patientinnen und Patienten auch von folgenden Therapien und Behandlungen:
Die Station wird geschlossen geführt und verfügt über 18 Behandlungsplätze. Für akute Krisen steht ein separater Sicherheitsbereich mit zwei Sicherheitszimmern und einem Aufenthaltsbereich bereit.
Es stehen fast ausschliesslich geräumige Einzelzimmer zur Verfügung, teils mit eigenem Badezimmer. Zudem sind mehrere gemütliche Aufenthalts- und Fernsehräume zur gemeinschaftlichen Nutzung vorhanden.
Auf der Station kann man sich ausserhalb der Therapiezeiten an Gesellschaftsspielen beteiligen, sich sportlich betätigen (Cardio-Übungen, Tischtennis) oder auf der gesicherten Veranda an die frische Luft gehen. Bei entsprechendem Ausgang kann der umzäunte Stationsgarten für einen ruhigen Aufenthalt oder zum Basketball, Fussball, Volleyball spielen genutzt werden. Auch bieten wir begleitete Spaziergänge auf dem Areal an. Im Sommer finden regelmässig Grillanlässe oder andere Aktivitäten als Teil des milieutherapeutischen Angebotes im Stationsgarten statt.
Auch das leibliche Wohl unserer Patientinnen und Patienten liegt uns am Herzen. So legen wir grossen Wert auf gesunde, ausgewogene, saisonale und abwechslungsreiche Gerichte – täglich frisch, täglich anders – und nach Möglichkeit aus der Ostschweiz. Je nach ärztlicher Verordnung können auch spezielle Diätmenüs vorbereitet werden.
Für Besucherinnen und Besucher von Patientinnen und Patienten der Forensikstation gelten spezielle Regeln:
Der Eintritt wird mit der zuweisenden Behörde koordiniert.
Nach Eintreffen auf der forensischen Therapiestation findet ein Eintrittsgespräch mit dem zukünftigen Fallführer (ärztlich oder psychologisch) und einer Pflegefachperson statt (im Idealfall die zukünftige Bezugsperson). Neben der Erhebung der Vorgeschichte und der aktuellen Probleme, dem akuten Befund und der Abklärung der Gefährdungsaspekte erfolgt auch eine körperliche Untersuchung. Bei Bedarf können weitere Untersuchungen wie z.B. EKG oder Laborkontrollen vereinbart werden.
Bei Kriseninterventionen dauert die Behandlung zwischen wenigen Tagen bis einigen Wochen. Bei stationären Massnahmen können die Behandlungen bis zu einigen Jahren dauern, dann ambulant weitergeführt werden oder auch in anderen Institutionen fortgesetzt werden.
Die Behandlung wird teils von der Krankenkasse, teils durch die zuweisende Behörde bezahlt.
Im Zuge von Bewährungen bei immer ausgedehnteren Lockerungen werden Beschäftigung, Arbeit und Wohnen ausserhalb der geschützten forensischen Therapiestation allmählich in Zusammenarbeit mit der zuweisenden Behörde vorbereitet. Wenn die Möglichkeit für ein externes Wohnen (Wohnexternat) erreicht ist und die forensische Therapiestation verlassen werden kann, steht auch der Übergang zur Therapie bei einer ambulanten forensisch-psychiatrischen, -psychotherapeutischen Fachperson an. Diese sollte Wohnortnähe mit speziellem forensisch-psychiatrischem, -psychotherapeutischem Fachwissen verbinden und auch die Betreuungs- und Bezugspersonen der behandelten Person einbeziehen. Kurz, das ganze forensische Versorgungsteam im Blick haben. Üblicherweise ist dafür am besten unser forensisches Ambulatorium oder aber – bei ausserkantonalen Personen mit Rückkehr in den Heimatkanton – eine forensische Fachperson einer anderen forensischen Institution geeignet.
Leiter Pflege Forensik und Abteilungsleiter Forensikstation
Ihre Anmeldung richten Sie bitte mit den üblichen Unterlagen (Urteil, Gutachten, Berichte über Vorbehandlungen) an:
Forensik, Psychiatrie St.Gallen, Zürcherstrasse 30, 9500 Wil oder über den gesicherten HIN-Account forensik@psychiatrie-sg.ch
Gemeinsam mit dem Leitungsteam der Station wird ein Eintritt geprüft. Wichtige Kriterien sind Diagnose, Art und Schwere des Delikts, Art und Ausmass von Verhaltensauffälligkeiten im Alltag, bestehende Risiken, Fluchtgefahr, Gruppenfähigkeit.